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Missionierende Orden rufen zu Gebetskette für Klimapilger auf

Elisabeth Biela, Vorsitzende der Konferenz der missionierenden Orden, hat für 7. bis zum 9. Dezember 2018 zu einer Gebetskette für die Klimapilger aufgerufen. In einem Schreiben an die höheren Oberinnen und Oberen
der missionierenden Orden informiert sie diese über die in Katowice stattfindende 24. UN-Klimakonferenz und das Anliegen der Klimapilger und bittet um Unterstützung:

“Als Vorsitzende der KMO bitte ich alle missionierenden Orden, sich in den letzten drei Etappentagen des Pilgerzuges vom 7. bis zum 9. Dezember 2018 im Gebet den Fußpilgern anzuschließen. Denn die zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Widerstände, die das notwendige globale Handeln behindern und gefährden, können nur überwunden werden, wenn wir uns nicht zuletzt auch auf den Schöpfer besinnen, der uns allen die Erde anvertraut hat, damit wir uns für Gerechtigkeit, Frieden und das Wohlergehen von Mensch und Natur wirksam einsetzen.”

Die Klimapilger/innen freuen sich sehr über diesen Aufruf und danken all denjenigen, die im Gebet mit ihnen sind.

 

Im Reich der Kohle: Respektvoller Dialog mit Bergleuten in Czerwionka

Ausgerechnet am Festtag der heiligen Barbara – der Schutzpatronin der Bergleute – wurde die Pilgergruppe in Czerwionka von Bergleuten empfangen. Doch dies tat deren Gastfreundschaft keinerlei Abbruch. In einer ehemaligen Zeche – wo heute ein Bergbau-Museum untergebracht ist – wurden die Pilgerinnen mit einer festlich gedeckten Tafel überrascht. Die Bergleute empfingen die Pilger/innen in ihrer “Paradeuniform” und sehr herzlich, obwohl ihnen laut eigener Aussage klar war, dass der Kohleausstieg zu den wichtigsten Forderungen der Klimapilger gehört.

Wiesław Janiszewski, Bürgermeister von Czerwionka-Leszczyn,  begrüßte die Pilger/innen. Die Übersetzung seiner Rede übernahm Henryk Reske, Pfarrer der Evangelisch-Augsburgischen Gemeinde in Czerwionka.

Pilger Wolfgang Eber bedankte sich für die Gastfreundschaft und erzählte vom Hintergrund des 3. Ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit. “Wir wissen, dass der Kohleausstieg in Polen viel schwerer zu realisieren ist, als in Deutschland. Wir sehen, dass die Bergleute in den letzten Jahrzehnten für Polen schwere und wertvolle Arbeit geleistet haben und noch leisten.”

Er betonte, dass sie nicht gekommen seien, um Polen Ratschläge für seine Energiepolitik zu geben, sondern hier die Menschen zu treffen und die Probleme kennenzulernen . “Wir würden uns aber sehr darüber freuen, wenn auch hier ein Umdenken beginnt und Stromerzeugung mit Windenergie und Photovoltaik Einzug hält.”

Nach dem Essen durften die Pilger/innen noch in den privaten, inoffiziellen Museumsteil wo sie alte Grubengegenstände wie Grubenlampen, Presslufthämmer und Atemgeräte nicht nur besichtigen, sondern auch mal in die Hand nehmen durften. “Anhand des großen Gewichts wurde mir schnell klar, wie schwer die Arbeit der Bergleute war”, so Wolfgang Eber.

Foto: Wiesław Janiszewski (vorn links mit Mikrofon), Bürgermeister von Czerwionka-Leszczyn, begrüßt die Pilger/innen (rechts daneben Henryk Reske, Pfarrer der Evangelisch-Augsburgischen Gemeinde in Czerwionka.

Foto: Die internationale Pilgergruppe im Bergbau-Museum

Foto: Vor der stillgelegten Kokerei von Czerwionka.

Foto: Straßenpilgern im Regen. Auf dem Weg nach Czerwionka sahen die Pilger/innen auch zahlreiche Kohlefördertürme und nicht-renaturierte Abraumhalden.

 

 

Beißender Kohlequalm nimmt Pilgern den Atem – aber nicht den Mut

Während die Pilger und Pilgerinnen für Klimagerechtigkeit in Polen ihrem Ziel Katowice immer näher kommen, erleben sie hautnah die Auswirkungen der massiven Kohleverbrennung in Polen. Gelber Qualm verlässt die meisten Schornsteine und zieht oft nicht nach oben ab, sondern drückt sich gleich wieder auf Gärten und Straßen. “Man läuft, Kohlegeruch nimmt einem den Atem und brennt auf der Zunge, man kommt um die Ecke und sieht den Rauch von einem Kamin runter auf die Straße ziehen”, so Pilger Wolfgang Eber. Doch es gibt auch Hoffnungszeichen: “Dazwischen stehen schon vereinzelt Häuser mit Gasheizungen, wo man nichts sieht und riecht. Aber besonders die Älteren scheuen sich vor der Umstellung, es herrscht wohl zuviel Sorge vor einer Abhängigkeit vom Gas.”

Bei Einbruch der Dunkelheit treffen die Pilger am Samstag in der Bergbaustadt Bierun ein, in der Gemeinde der Heiligen Barbara. In Sichtweite der Kohleabbauanlagen und eines rauchenden Schlotes stand eine moderne Kirche, auf deren steilem Dach 150 Solarmodule angebracht waren.

Auch hier ist – wie überall – die Gastfreundschaft überwältigend, die Pilger werden liebevoll mit reichhaltiger Verpflegung und Informationen versorgt.

Die  gerade erst gewählte Vizechefin der Region berichtete über Stadt und Land, benennt auch die Luftverschmutzung als großes Problem in der  Umgebung.

Der örtliche Pfarrer berichtet stolz von seiner Solaranlage, die er mit viel Beharrlichkeit und einer großen Portion Findigkeit schon 2015 für seine Gemeinde erkämpfen konnte. Seitdem versucht die Gemeinde, möglichst den Strom selber zu verbrauchen, weil sie nur ca. 4 Cent für Einspeisung bekommt, aber 16 Cent für bezogenen Strom bezahlen muss. Aber die Kirchengemeinde wurde trotzdem zum Stromproduzenten und der örtlichen Konzernvorstand bezeichnete den Pfarrer als Konkurrenten. “Es war ja auch zu frech, dem Kohlestromproduzenten die erste Kirchenphotovoltaik Anlage vor die Nase zu setzen”, so Wolfgang Eber.