Hintergründe und Forderung zur Agrar- und Ernährungswende

Die planetaren Grenzen sind überschritten, die im Pariser Abkommen festgesetzten Klimaziele sind kaum noch einhaltbar. Neben Kohleverstromung (Schwerpunkt 2018, siehe www.klimapilgern.de) sind uns auf dem diesjährigen Klimapilgerweg von Polen über Deutschland, den Niederlanden und England nach Schottland (Glasgow) die Themen Mobilität und Landwirtschaft besonders wichtig. Die regionalen und weltweiten engen Verflechtungen machen es notwendig, die Landwirtschaft im Ganzen in den Blick zu nehmen. Dabei zeigt sich: das 1,5°-Ziel ist nur zu erreichen durch klimagerechtes Umsteuern mit einer

lokal und global nachhaltigen Landwirtschafts- und Ernährungswende.

Damit das gelingen kann, sind wir alle gefordert:

Jede und jeder Einzelne kann

  • helfen, Lebensmittel zu retten und beispielsweise Foodsharing unterstützen,
  • immer mehr biologische, regionale und fair gehandelte Lebensmittel kaufen.

Kirche kann

  • als Verpächterin vorbildlich vorangehen und Pachtverträge (landwirtschaftliche Flächen, Erbpacht, etc.) transparent und nach ökologischen und sozialen Kriterien vergeben. Ca. 2 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen sind in kirchlichem Besitz;
  • bei den Nachhaltigkeitskriterien ihrer Banken industrielle Tierhaltung ausschließen;
  • (Erwachsenen-) Bildung zu den globalen Auswirkungen des Ernährungsverhaltens und der Lebensmittelproduktion vor Ort anbieten, Strukturen nachhaltiger Versorgung in der Region aufbauen und Vorzeigebetriebe als Lernorte für eine soziale und ökologische Landwirtschaft einrichten;
  • in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen ökologische, regionale, saisonale und fair gehandelte Produkte kaufen;
  • Kantinen in kirchlichen Einrichtungen auf ökofair umstellen und dort weniger Fleisch anbieten.

Politik und Gesellschaft können

  • in der Agrarpolitik umsteuern hin zu einer nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft, die hauptsächlich die heimische Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln ernährt, dabei Natur- und Gewässerschutz und andere ökologische Leistungen erbringt (z.B. Wiedervernässung CO2-speichernder Moore) und für all das gerecht und fair bezahlt wird.
  • die Weichen stellen, dass sich unsere derzeit primär weltmarktorientierte Landwirtschaft umorientiert und zunehmend nur noch für den regionalen, nationalen und europäischen Markt Lebensmittel produziert. Die Corona-Pandemie zeigt, dass globale Lieferketten nicht stabil sind. Untersuchungen zeigen zudem, dass die Abkehr von der Exportorientierung mehr als die Hälfte der durch die Landwirtschaft verursachten externen Kosten (Subventionen, Folgen für Klima, Natur und Umwelt, etc.) sparen würde („Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft nachhaltig sichern“, Hg.: Boston Consulting Group, November 2019, S. 16ff);
  • politisch die Weichen so stellen, dass unsere Landwirtschaft auf die Dauer nur so viele Tiere hält, wie sie von der heimischen Fläche ernähren kann und keine Futtermittel von landwirtschaftlichen Flächen aus Übersee importiert. Wir hätten damit kein Problem mehr mit zu viel Gülle. Die Flächen in Übersee könnte die dortige Bevölkerung für ihre eigene Ernährung nutzen und damit den Hunger bekämpfen. Das EU-Mercosur-Abkommen beispielsweise ist vor diesem Hintergrund abzulehnen;
  • darauf hinwirken, dass Kleinbäuerinnen und -bauern verbesserten Zugang zu Bildung und Berufsbildung und zu Produktionsfaktoren wie Land, Wasser, standortangepasstem samenfestem Saatgut und Krediten haben, denn weltweit erzeugen 525 Millionen kleinbäuerliche Familienbetriebe rund 65% der Nahrungsmittel und sichern damit größtenteils die Ernährung der Menschheit. Mehr dazu www.viacampesina.org/;
  • regionale und nationale Kreislaufwirtschaft fördern und Schlachtungen auf der Weide/auf dem Hof erleichtern. Europäische Nutztiertransporte müssen reduziert und Transporte weiter als 100 km sowie außereuropäische Nutztiertransporte müssen verboten werden;
  • die Parteiprogramme zur Bundestagswahl 2021 in ihrer Aussage zur Förderung des ökologischen Landbaus prüfen. Die Mindestanforderung liefert der aktuelle Koalitionsvertrag: 20% ökologische Bewirtschaftung bis 2030;
  • verbindliche Tierwohllabel für Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft gemäß den Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirates des BML einführen;
  • die Förderstruktur so verändern, dass die Umstrukturierung von konventioneller zu ökologischer Landwirtschaft deutlich verbessert wird.

Unsere Forderung zur Agrar- und Ernährungswende gibt es ebenfalls in lang und kurz Version zum Downloaden.

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