Klimawandel?! Gespräch mit polnischen Schüler/innen in Bielsko-Biała

Überwältigende Gastfreundschaft und spannende Dialoge: In Bielsko-Biała sprachen die Pilger/innen mit den Schüler/innen eines evangelischen Gymnasiums über den Klimawandel. “Das Verblüffendste für mich war, dass sie nichts vom Klimawandel wissen”,  so Pilger Wolfgang Eber. “Auf die Frage, wer was vom Klimawandel gehört hat, meldeten sich gerade zwei.” Die vorherrschende Meinung war, dass für Polen die Kohleverfeuerung zur Erzeugung von Wärme und Strom die beste Lösung sei. Deutschland habe ja viel Wind, im polnischen Binnenland ginge das nicht.

Dass der Ausstieg aus der Kohle in Polen auf heftigen Widerspruch treffen würde, war den Pilger/innen schon im Vorfeld klar. Schließlich beruhen in Polen über 85 Prozent der Stromerzeugung auf Kohleverbrennung. In weiteren Gesprächen mit Kirchenvertretern erfuhren die Pilger zudem, dass die Kohleverbrennung für die meisten Polen nicht nur eine Frage der nationalen Unabhängigkeit sei, sondern fast schon der nationalen Identität. Polen wolle von anderen Ländern unabhängig sein in der Stromversorgung und insbesondere nicht auf russisches Gas angewiesen sein. “An der Kohleverstromung zu rütteln, hieße für viele schon an den Grundlagen der Polnischen Republik zu sägen”, so Wolfgang Eber.

Beim anschließenden Treffen mit Bischof Adrian Korczago erfuhren die Pilger viel über die Entwicklung der evangelischen Kirche in Polen. Sie leide bis heute darunter, dass sie wegen ihrer Wurzeln als “Kirche der Deutschen” diffamiert werde, während “die”  polnische Kirche eben katholisch sei. In der Umgebung von Bielsko-Biała sei dies jedoch nicht so problematisch, hier gäbe es allein drei evangelische Kirchen. Der Bischof äußerte sich auch klar zu den politischen Verhältnissen und zeigte sich besorgt um die Einschränkung der Demokratie in Polen.

Festessen im anderen Stadtteil (Biała) mit Besuch eines evangelischen Bischofs aus dem tschechischen Teil des Kirchenbezirks.

Pfarrer zeigt stolz “seine” Kirche.

Treffen mit der Umweltschutzabteilung der Stadt Bielsko-Biała im Festsaal im Rathaus.

Hier referierte der Umweltdezernent mit seinem dreiköpfigen Team über geplante Umweltschutzprojekte in der Stadt.

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Auf nach Polen: Übergabe des Staffelstabs in feierlichem Gottesdienst

Den feierlichen Abschluss der Klimapilger-Aktionstage in Berlin sowie die Übergabe des “Staffelstabs” an die polnische Seite des Klimapilgerweges bildete ein ökumenischer deutsch-polnischer Gottesdienst am Montagabend in der Versöhnungskappelle in Berlin-Mitte mit Bischof Dr. Markus Dröge, Erzbischof Ludwig Schick und mehreren polnischen Bischöfen: Bischof Marian Niemiec aus Katowice, Bischof Grzegorz Olszowski aus Katowice und Bischof Marek Maria Karol Babi aus Warschau.

Bei dem deutsch-polnischen Programm, an dem sich alle Bischöfe auch inhaltlich beteiligten, wehte ein besonderer gemeinsamer Geist. In seiner Begrüßung ging  Bischof Dröge auf das Motto  des Klimapilgerweges “Geht doch” ein und rief dazu auf, dass die Menschen ihre Verantwortung als “Hüter der uns anvertrauten Quellen des lebendigen Wassers” wahrnehmen. Auch Erzbischof Schick nahm in seiner Predigt Bezug auf das “Geht doch” und rief zur nachhaltigen Nutzung der Gaben der Erde auf.

 

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Klimapilger übergeben Forderungen an Bundesregierung & Kohlekommission

Die beiden großen deutschen Kirchen als Vertreter von rund 45 Mio. Christen in Deutschland und mit ihnen ein breites ökumenisches Bündnis forderten heute von der deutschen Regierung konkrete Schritte für mehr globale Klimagerechtigkeit: Die von ihnen entsandten „Klimapilger“ übergaben heute im Bundeswirtschaftsministerium ihre Forderungen und Fürsprachen an die Bundesregierung in Person von Staatssekretär Dr. Ulrich Nussbaum sowie an die Kohlekommission, vertreten durch Antje Grothus. Staatssekretär Nussbaum stellte sich in einem intensiven Austausch den Fragen der Pilger und zeigte sich ausgesprochen offen für das Thema Klimagerechtigkeit: „Mich müssen Sie nicht überzeugen.“ Gleichwohl verwies er auf die verschiedenen Interessengruppen in einem sehr „unterschiedlichen Räderwerk“. Er versprach den Klimapilgern eine fundierte, schriftliche Antwort auf ihre Forderungen von den Fachleuten seines Ressorts.

Das Forderungsdokument beginnt mit den eindringlichen Worten: „Bereits heute ist deutlich, dass diejenigen, die durch die Emission von Treibhausgasen am stärksten zum Klimawandel beigetragen haben, nicht die Hauptlast seiner Folgen tragen müssen. Das gilt in sozialer und wirtschaftlicher wie auch in geographischer und ökologischer Hinsicht. Und es betrifft jetzige und künftige Generationen.“

Weiter heißt es: „Deutschland wird das nationale wie auch das EU-Klimaschutzziel für 2020 verfehlen. Seit neun Jahren sind die CO2-Emissionen nicht mehr gesunken. Kohle ist der größte Einzelverursacher von CO2 in Deutschland, aber auch Verkehr, Bau und Landwirtschaft leisten bisher zu wenig, um die Treibhausgasemissionen zu senken.“

Klimagerechtigkeit bedeutet für die Pilger dabei sowohl globale Gerechtigkeit für die unter den Klimafolgen leidenden Regionen der südlichen Erdhalbkugel, als auch „Enkelgerechtigkeit“ als Gerechtigkeit für künftige Generationen sowie Veränderungsgerechtigkeit – z. B. Ausstiegsgerechtigkeit für die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen. Bei der Übergabe Ihrer Forderungen berichteten die Klimapilger/innen eindringlich von den Erfahrungen und Begegnungen auf ihrem langen Weg, u. a. mit Bergbaubetroffenen in der Lausitz, die zum Teil jahrelang in Unsicherheit über die Zukunft ihrer Heimat leben müssen. Diese Menschen bräuchten klare Worte und schnelle Entscheidungen, statt sie von Wahl zu Wahl weiter hinzuhalten.

Den feierlichen Abschluss der Klimapilger-Aktionstage in Berlin bildet ein ökumenischer deutsch-polnischer Gottesdienst heute am Montagabend um 18 Uhr in der Versöhnungskappelle in Berlin-Mitte mit Bischof Dr. Markus Dröge, Erzbischof Schick und mehreren polnischen Bischöfen. Dienstag früh starten die Klimapilger Richtung Polen.

Forderungsdokument

Antje Grothus von der Kohlekommission (2. v.l.) mit unseren Forderungen

Im Gespräch mit Staatssekretär Dr. Ulrich Nussbaum

Staatssekretär Dr. Ulrich Nussbaum mit unseren Forderungen

Pilger/innen vor dem Bundeswirtschaftsministerium, während die Kohlekommission tagt

Fotos: (c) Thomas Puschmann

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Montag öffentliche Übergabe der Forderungen an Staatssekretär Nussbaum

Am Montag, dem 26. November, werden die Pilger/innen im Vorfeld der Sitzung der Kohlekommission im Wirtschaftsministerium um 9:30 Uhr ihre Forderungen und Fürsprachen an Staatssekretär Dr. Ulrich Nussbaum übergeben.

Vorher feiern sie um 8:15 Uhr im Invalidenpark gegenüber des Bundesministeriums für Wirtschaft einen öffentlichen Schöpfungs-Gottesdienst. Hierzu haben sie auch alle Mitglieder der Kohlekommission sowie Bundesminister Peter Altmaier persönlich eingeladen.

Wir laden alle Menschen ein, die sich friedlich für eine klimagerechte Welt einsetzen wollen, am Montag ein klares Zeichen zu setzen: Kommen Sie zum Wirtschaftsministerium und halten Sie beim gemeinsamen Open-Air-Gottesdienst mit uns inne, um uns unserer Verantwortung für die Schöpfung bewusst zu werden.

Oder um es mit den Worten unseres Schirmerren, Erzbischof Dr. Ludwig Schick auszudrücken: „Wir Christen bekennen Gott als Vater und Schöpfer des Himmels und der Erde. Er hat uns Menschen die Schöpfung
anvertraut, dass wir sie pflegen und bewahren. Das ist Privileg und Pflicht. Nachhaltig dürfen wir die Gaben der Erde nutzen, aber sie nicht verbrauchen. Gott hat sie für alle Menschen aller Generationen gegeben.“

 

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