Klimapilger übergeben Forderungen an Bundesregierung & Kohlekommission

Die beiden großen deutschen Kirchen als Vertreter von rund 45 Mio. Christen in Deutschland und mit ihnen ein breites ökumenisches Bündnis forderten heute von der deutschen Regierung konkrete Schritte für mehr globale Klimagerechtigkeit: Die von ihnen entsandten „Klimapilger“ übergaben heute im Bundeswirtschaftsministerium ihre Forderungen und Fürsprachen an die Bundesregierung in Person von Staatssekretär Dr. Ulrich Nussbaum sowie an die Kohlekommission, vertreten durch Antje Grothus. Staatssekretär Nussbaum stellte sich in einem intensiven Austausch den Fragen der Pilger und zeigte sich ausgesprochen offen für das Thema Klimagerechtigkeit: „Mich müssen Sie nicht überzeugen.“ Gleichwohl verwies er auf die verschiedenen Interessengruppen in einem sehr „unterschiedlichen Räderwerk“. Er versprach den Klimapilgern eine fundierte, schriftliche Antwort auf ihre Forderungen von den Fachleuten seines Ressorts.

Das Forderungsdokument beginnt mit den eindringlichen Worten: „Bereits heute ist deutlich, dass diejenigen, die durch die Emission von Treibhausgasen am stärksten zum Klimawandel beigetragen haben, nicht die Hauptlast seiner Folgen tragen müssen. Das gilt in sozialer und wirtschaftlicher wie auch in geographischer und ökologischer Hinsicht. Und es betrifft jetzige und künftige Generationen.“

Weiter heißt es: „Deutschland wird das nationale wie auch das EU-Klimaschutzziel für 2020 verfehlen. Seit neun Jahren sind die CO2-Emissionen nicht mehr gesunken. Kohle ist der größte Einzelverursacher von CO2 in Deutschland, aber auch Verkehr, Bau und Landwirtschaft leisten bisher zu wenig, um die Treibhausgasemissionen zu senken.“

Klimagerechtigkeit bedeutet für die Pilger dabei sowohl globale Gerechtigkeit für die unter den Klimafolgen leidenden Regionen der südlichen Erdhalbkugel, als auch „Enkelgerechtigkeit“ als Gerechtigkeit für künftige Generationen sowie Veränderungsgerechtigkeit – z. B. Ausstiegsgerechtigkeit für die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen. Bei der Übergabe Ihrer Forderungen berichteten die Klimapilger/innen eindringlich von den Erfahrungen und Begegnungen auf ihrem langen Weg, u. a. mit Bergbaubetroffenen in der Lausitz, die zum Teil jahrelang in Unsicherheit über die Zukunft ihrer Heimat leben müssen. Diese Menschen bräuchten klare Worte und schnelle Entscheidungen, statt sie von Wahl zu Wahl weiter hinzuhalten.

Den feierlichen Abschluss der Klimapilger-Aktionstage in Berlin bildet ein ökumenischer deutsch-polnischer Gottesdienst heute am Montagabend um 18 Uhr in der Versöhnungskappelle in Berlin-Mitte mit Bischof Dr. Markus Dröge, Erzbischof Schick und mehreren polnischen Bischöfen. Dienstag früh starten die Klimapilger Richtung Polen.

Forderungsdokument

Antje Grothus von der Kohlekommission (2. v.l.) mit unseren Forderungen

Im Gespräch mit Staatssekretär Dr. Ulrich Nussbaum

Staatssekretär Dr. Ulrich Nussbaum mit unseren Forderungen

Pilger/innen vor dem Bundeswirtschaftsministerium, während die Kohlekommission tagt

Fotos: (c) Thomas Puschmann

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