Nach zwei Wochen, vielen Begegnungen und rund 280 Kilometern zu Fuß ist unser 10. Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit zu Ende gegangen. Von Bełchatów führte uns der Weg in zwölf Etappen bis nach Warszawa.
Begonnen hatte unser Klimapilgerweg am 4. September in Bełchatów, einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Herausforderungen der Energiewende in Polen steht. Besonders beeindruckend war gleich zu Beginn der Besuch des riesigen Braunkohletagebaus. Die Dimensionen dieser Landschaft, die gewaltigen Förderanlagen und der unmittelbare Blick auf den Abbau der Braunkohle haben bei vielen von uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Hier wurde sehr konkret sichtbar, worüber bei Klimaschutz und Energiewende häufig nur abstrakt gesprochen wird.
Danach hieß es: Rucksack auf und losgehen.
Vor uns lagen zwölf Wandertage mit durchschnittlich etwa 24 Kilometern. Die Landschaft machte es uns dabei meistens leicht: Große Steigungen gab es nicht, und viele Kilometer führten durch Wälder, Felder und die weite Landschaft Zentralpolens. Immer wieder konnten wir auf kleinen Wegen und abseits größerer Orte unterwegs sein.
Ganz ohne Asphalt ging es allerdings nicht. Manche Straßenkilometer ließen sich bei der Planung der Route nicht vermeiden. Und auch wenn Polen hier ziemlich flach ist: 24 Kilometer bleiben 24 Kilometer. Zwei Etappen hatten es mit jeweils rund 30 Kilometern besonders in sich. Da wusste am Abend wohl jeder, was er an diesem Tag geleistet hatte.
Umso schöner war es, am Ende eines langen Pilgertages herzlich empfangen zu werden. Wie auch in den Vorjahren waren wir überwältigt von der großartigen Gastfreundschaft in unseren Quartieren. Immer wieder begegneten uns Menschen mit einer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, die weit über eine einfache Übernachtungsmöglichkeit hinausging. Nach vielen Kilometern auf den Beinen waren ein freundlicher Empfang, ein gemeinsames Essen und die Gespräche mit unseren Gastgeberinnen und Gastgebern etwas ganz Besonderes. Diese Begegnungen gehören zu den Erfahrungen, die einen Pilgerweg erst wirklich ausmachen.
Aber genau das gehört zum Pilgern. Wir wollten die Strecke von Bełchatów nach Warszawa nicht möglichst schnell überwinden, sondern sie Schritt für Schritt erleben. Unterwegs gab es Zeit für Gespräche, für gemeinsames Schweigen, für Andachten und Gebete – und natürlich auch für Pausen, müde Beine und die kleinen Geschichten, die erst entstehen, wenn Menschen mehrere Tage gemeinsam unterwegs sind.
Nach sieben Wandertagen erreichten wir Żyrardów. Dort unterbrachen wir unseren Weg für einen Aktionstag, bevor wir uns auf die letzten Etappen in Richtung polnische Hauptstadt machten.
Mit jedem Kilometer rückte Warszawa näher. Gleichzeitig wurde deutlicher, was diesen 10. Klimapilgerweg ausgemacht hat: Wir haben nicht nur über Klimagerechtigkeit gesprochen. Wir waren gemeinsam unterwegs in einem Land, das vor großen Veränderungen seiner Energieversorgung steht. Der Beginn im Braunkohlerevier von Bełchatów war deshalb bewusst gewählt.
Am 18. September erreichten wir schließlich Warszawa. Nach zwölf Wandertagen war damit unser 10. Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit am Ziel.
Geblieben sind viele Bilder und Begegnungen – und die Erfahrung, dass Klimagerechtigkeit kein abstraktes Thema ist. Sie betrifft Landschaften, Arbeitsplätze und Regionen ebenso wie Menschen im Globalen Süden und kommende Generationen.
Und nach zehn Klimapilgerwegen gilt unser Motto noch immer:
Geht doch!

