Landesbischof Rentzing: Menschen dürfen sich nicht als Räuber benehmen

Über 80 Pilgerinnen und Pilger feierten heute morgen bei strahlender Morgensonne mit Landesbischof Carsten Rentzing eine gemeinsame Andacht. In der  Allerheiligenkapelle im Dom zu Meißen mahnte der Bischof, dass die Menschen eine Verantwortung hätten für Klimagerechtigkeit, für Umwelt- und Klimaschutz.

Die Bergpredigt lehre unsMenschen, das “Herz bei den Armen zu haben” – so zum Beispiel bei den Menschen Indiens, die unter dem steigenden Meeresspiegel litten. “Wir Menschen haben nicht das Recht, uns wie “Räuber in der Welt zu benehmen”, warnte er.

Zum Abschluss erteilte der Landesbischof den Klimapilger*innen den Reisesegen.

Fotos: Evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsens, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Matthias Oelke

Klimakochen mit Kürbis: Schüler und Pilger schnippeln fürs Klima

Klimaschutz macht Spaß, schmeckt lecker und ist gesund: Das erlebten die Klimapilger/innen heute gemeinsam mit Schüler/innen und Lehrerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen. Sie kochten gemeinsam eine Kürbissuppe und damit ein definitiv klimafreundliches Essen:  “Kürbis hat gerade Saison und kann direkt in der Region geerntet werden”, freut sich  Langzeitpilger Wolfgang Löbnitz.

Denn die Klimapilger/innen wissen: Wer saisonal und regional einkauft, kann bis zu  30 kg CO2 pro Jahr einsparen. Zudem war die Suppe vegan – und schont das Klima somit in besonderer Weise. Schließlich sind Fleisch, Eier und Milchprodukte wahre “Klimakiller” und sollten sehr bedacht verzehrt werden. Schon der Verzicht auf Butter spart ca. 135 kg CO2/Jahr. (Alle Angaben aus: “Klimafreundlich Kochen” von der Tierrechtsorganisation Peta).

Nach der heißen Suppe gab es dann noch ein “heißes Thema”: Bei der Podiumsdiskussion in der Nossener Schule sprachen Experten aus Land-, Forst- und Wasserwirtschaft sowie ein Meteorologe über “Wege aus der Heißzeit” und die “Hausaufgaben” für die deutsche Wirtschaft.

David gegen Goliath: Pödelwitz kämpft gegen seine Vernichtung

Emotional wurde es heute für die Klimapilger/innen in Pödelwitz: Sie besuchten das 700 Jahre alte Bauerndorf, das 2028/2029 dem Braunkohle-Tagebau der Mitteldeutschen Braunkohle AG zum Opfer fallen soll. Es ist wie der Kampf von David gegen Goliath: Ein großer Konzern, der nach und nach Grundstücke in Pödelwitz aufkauft. Und das, obwohl der Ort bislang noch nicht mal für den Tagebau vorgesehen ist und in absoluter Randlage liegt. Mit Pödelwitz wird hier auch die Energiewende “untergraben”.

“Die Strategie scheint klar”, so Dauerpilger Dr. Christian Seidel, der mit den Mitgliedern der Initiative “Pro Pödelwitz” gesprochen hat. “Erst kauft man mit überhöhten Preisen Grundstücke auf und argumentiert später damit, dass ja ohnehin kaum noch einer dort wohnt.” Doch die verbliebenen 26 Einwohner von Pödelwitz kämpfen weiter. Unter ihnen ein älterer Bewohner der damit zum dritten Mal vor einer Umsiedlung steht: Nach der Flucht aus Schlesien ließ sich die Familie in Hermsdorf nieder und musste der Kohle weichen. Damals sicherte man den Menschen zu, dass Pödelwitz ein sicherer Ort sei. Welch folgenschwerer Irrtum. “Ich bleibe hier, egal was passiert”, betont der ältere Herr.

Gemeinsam mit seinen Nachbarn kämpft er gegen die übermächtige Mibrag wie einst David gegen Goliath – und auch wenn es noch so aussichtslos erscheint.

Und dennoch: Wie die Geschichte von David ausging, ist bekannt.

 

Gegen das Meer der Gier: Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche

Ist Gott enttäuscht über unser achtloses verschwenderisches Leben? Ertrinken  wir alle in einem Meer der Gier? Bärbel Wartenberg-Potter rüttelte heute Abend in der Leipziger Nikolaikirche mit ihrer Predigt auf. Die frühere nordelbische Bischöfin begrüßte die Pilger*innen beim traditionellen Friedensgebet und lobte auch ihr Engagement: “Sie laufen, Sie gehen, Sie stehen auf – um Gottes Auftrag zu wahren. Das ist mutig, gottesnah und vorbildlich.”

In ihrer Predigt ging sie auf die Geschichte der Arche Noah ein und stellte die Frage, ob die Menschheit die Sintflut wirklich hinter sich hätte: Leben wir wirklich nach Noah? Oder steht uns die Sintflut noch bevor? “Gott muss die Erde nicht zerstören, dass tun wir schon selbst”. Eindrücklich forderte sie dazu auf, die gesamte Schöpfung zu bewahren und schloss die Tiere und die Natur mit ein. Die Bewahrung der Schöpfung sei heute schon nicht mehr möglich, aber weniger Zerstörung sei noch machbar. “Die Erde gehört nicht uns, sie ist uns nur geliehen, anvertraut. Gerechtigkeit ist nicht ohne Friede möglich, und Friede nicht ohne Schöpfung – das ist die Weltformel.”

Beim Gottesdienst kamen auch die Pilger selbst zu Wort und berichteten von ihren Eindrücken vom Weg. So erzählte Langzeitpilger Wolfgang Löbnitz von einer Wierderbegegnung mit Schülern in Hagen. Diese hatten die Klimapilger schon 2015 getroffen und sie waren damals so beeindruckt, dass sie sich inzwischen selbst für Klimagerechtigkeit engagierten mit “Plant for the planet” . Dies zeige, dass auch kleine Aktionen wie das Pilgern große Wirkung zeigen können.

Dauerpilger Christian Seidel bekräftigte noch mal die Forderungen nach Globaler Klimagerechtigkeit, Generationen-Gerechtigkeit (“Enkel- Gerechtigkeit”) und sozialer Gerechtigkeit.

 

Fotos: (c) Pilgerweg für Klimagerechtigkeit